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Tagung am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung

Womit buddhistische Mönche Geld verdienen

Tagung am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung zur ökonomischen Lage buddhistischer Klöster

14. September 2017

Am 21. und 22. September 2017 findet am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung eine Tagung mit dem Titel Sangha Economies: Temple Organisation and Exchanges in Contemporary Buddhism statt. Zwanzig internationale Experten beschäftigen sich an diesen beiden Tagen unter anderem mit der Frage, ob und wie die religiöse Verpflichtung zur Armut mit den vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten buddhistischer Mönche vereinbar ist. Organisiert wurde die Tagung von Christoph Brumann, Saskia Abrahms-Kavunenko und Beata Świtek, die in der Forschungsgruppe Buddhist Temple Economies in Urban Asia zusammenarbeiten.

Klöster als Wirtschaftsfaktoren
Die ersten Buddhisten waren umherziehende Bettelmönche ohne festen Wohnsitz. Doch ihre Nachfolger wurden im Laufe der Zeit sesshaft und gründeten Klöster, in denen Hunderte und manchmal Tausende von Mönchen und Nonnen zusammenleben. Diese in der altindischen Sprache Pali als Sangha bezeichneten Klostergemeinschaften haben sich zum Teil zu erheblichen Wirtschaftsfaktoren entwickelt. "In kaum einer anderen Religion spielt das Klosterleben eine ähnlich große Rolle", sagt Prof. Dr. Christoph Brumann, Forschungsgruppenleiter in der Abteilung ‚Resilienz und Transformation in Eurasien’ am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung. "Deshalb ist es erstaunlich, dass es bisher fast keine Forschung zur ökonomischen Organisation von buddhistischen Klöstern gibt. Denn es ist ja klar, dass die Mönchsgemeinschaften vielfältige wirtschaftliche Beziehungen pflegen müssen, um ihr Leben zu bestreiten."

Ökonomischer Erfolg und Armutsverpflichtung
Forschungen zum Buddhismus haben sich bisher häufig mit den umfangreichen religiösen Vorschriften befasst, die das irdische Dasein detailliert regeln. So haben Mönche kein Privateigentum und im Leben eines Buddhisten sollte materieller Wohlstand niemals vom Wesentlichen – dem Pfad der Erleuchtung – ablenken. "Gerade diese von der Glaubensgemeinschaft erwartete und geforderte Wirtschaftsferne macht die Forschung zur Ökonomie des Buddhismus für uns so interessant", sagt Brumann. "Denn die Mönche leben neben den Spenden, die sie von der Gemeinde erhalten, auch davon, dass sie Dienstleistungen anbieten. Das sind oft Bestattungs- und Gedenkrituale, die für Gläubige zwingend vorgeschrieben sind." In vielen Gegenden haben diese Dienstleistungen einen Preis, den die Mitglieder der Gemeinde alle genau kennen. "Man redet darüber nicht öffentlich", sagt Brumann. "Und dennoch ist jedem klar, dass der Priester für seine Leistungen bezahlt wird. Die Priester sehen diese Bezahlung allerdings nicht als Kompensation für eine Leistung, sondern eher als Ausdruck des Dankes für einen uneigennützigen Dienst am Gläubigen."

Diskussionen um Wohlstand und Geld
Brumann und seine Forschergruppe haben in umfangreichen ethnologischen Feldstudien im tibetischen Teil Chinas, der Mongolei, der russischen Republik Burjatien und Japan genau beobachtet, wie Priester und Gläubige mit diesem Widerspruch zwischen religiösen Erwartungen und pragmatischem Handeln umgehen. Denn es ist für die Öffentlichkeit unübersehbar, dass es Klöster und buddhistische Dienstleister gibt, die großen wirtschaftlichen Erfolg haben. Brumann: "Das gefällt natürlich nicht jedem. Und deshalb ist der Umgang mit Wohlstand und Geld in buddhistischen Gemeinden ein immer wiederkehrendes Thema, das kontrovers diskutiert wird." Sowohl die Geistlichen als auch die Laien müssen den Austausch von Wirtschaftsgütern rechtfertigen und mit der Armutsverpflichtung der Mönche in Einklang bringen. Das gelingt manchmal gut und manchmal weniger gut. "In Japan hat es beispielsweise für erhebliches Aufsehen gesorgt, als ein Unternehmen die Dienstleistungen von Priestern über Amazon angeboten hat. Denn durch dieses offensive Eintreten in einen wirtschaftlichen Markt werden alle normativen Erwartungen an einen buddhistischen Geistlichen unterlaufen", erklärt Brumann.

Keine zentrale Organisation
Die Vielfalt der buddhistischen Lebensformen macht es unmöglich, ein allgemeines Muster im wirtschaftlichen Engagement zu finden. Im wohlhabenden Japan, wo die Tempel meist nur von einem einzelnen Priester und seiner Familie organisiert werden, sind die Bedingungen ganz andere als in China oder den postsozialistischen Ländern. "Da es im Buddhismus keine zentrale Organisation und Verwaltung gibt, haben sich die buddhistischen Gemeinschaften in den vergangenen 2500 Jahren sehr unterschiedlich entwickelt. Aber genau das macht sie für die ethnologische Forschung so interessant", sagt Brumann.

Erforschung des globalen sozialen Wandels
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der in Europa führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie (Sozialanthropologie). Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Günther Schlee aufgenommen und 2001 seinen ständigen Sitz im Advokatenweg 36 bezogen. Mit der Ernennung der dritten Direktorin Prof. Dr. Marie-Claire Foblets im Jahre 2012 wurde das Institut um eine Abteilung zum Themenfeld ‚Recht & Ethnologie‘ erweitert. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Besonders auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung, befassen sich darüber hinaus in ihren Projekten oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung arbeiten gegenwärtig 175 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 30 Nationen. Darüber hinaus bietet das Institut zahlreichen Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Raum und Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.

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