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Workshop: Geschäfte mit dem Land im Globalen Süden und ihre Folgen

Workshop: Geschäfte mit dem Land im Globalen Süden und ihre Folgen

17. Mai 2018

Im letzten Jahrzehnt hat der großflächige Erwerb von Landrechten durch finanzstarke Investoren in vielen Ländern des Globalen Südens massiv zugenommen. Mit den weitreichenden Folgen dieser Eingriffe für die lokale Bevölkerung, die Umwelt und die Wirtschaftsbeziehungen beschäftigt sich vom 23. bis 25 Mai der internationale Workshop „Transformations and visions: responses, alternatives and resistances to large-scale land deals in the Global South“ am Max-Planck Institut für ethnologische Forschung. Die Tagungssprache ist Englisch.

Land wird zum Spekulationsobjekt
Landwirtschaftlich nutzbarer Boden wird immer mehr zum knappen Gut. Diese Entwicklung hat seit der Finanz- und Lebensmittelkrise vor zehn Jahren das ökonomische Interesse internationaler Investoren und nationaler Regierungen im Globalen Süden geweckt. Die Folge davon: Immer mehr Flächen werden verpachtet oder verkauft und zur Produktion von Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen im industriellen Maßstab genutzt. „Land war natürlich schon immer auch Gegenstand wirtschaftlicher Interessen“, sagt Dr. Christina Gabbert, Mit-Organisatorin des Workshops und Koordinatorin der am MPI entwickelten internationalen Forschungsinitiative „Lands of the Future“. „Neu ist aber das Ausmaß und die Geschwindigkeit, in der das Land heute zum Spekulationsobjekt wird. Neu ist beispielsweise auch die Nutzung großer Flächen zum Anbau von Schnittblumen oder Zuckerrohr, Baumwolle und Ölpflanzen. Alles Produkte, die fast ausschließlich für den Export bestimmt sind.“

Traditionelles Wissen geht verloren
Diese massiven Eingriffe gehen keineswegs nur von Akteuren des Globalen Nordens aus. Längst haben auch die Regierungen im Globalen Süden die Bedeutung ihres Landes als Wirtschaftsfaktor erkannt und öffnen Investoren aus aller Welt die Türen. „Häufig wird behauptet, dass das Land vorher unbewohnt und ungenutzt war“, sagt Gabbert. „Aber das stimmt in vielen Fällen eben nicht.“ Tatsächlich handelt es sich bei dem zu Agrarflächen umgewandelten Land oft um seit langem genutzte Weidegebiete von Hirtengesellschaften, die unter extrem schwierigen klimatischen und geographischen Verhältnissen, sinnvolle Landnutzungssysteme entwickelt haben. Gabbert: „Durch die von kurzfristigen Gewinninteressen geleiteten Interventionen wird die lokale Population verdrängt und verliert unter Umständen sogar ihre Lebensgrundlage.“ Die Folgen für die Umwelt sind nicht weniger drastisch, denn die traditionelle Landnutzung beruht auf jahrhundertelanger Erfahrung und ist entsprechend nachhaltig. „Lokale Anbaumethoden sind in der Regel so angelegt, dass die nachfolgenden Generationen das Land ebenso nutzen und davon leben können. Dieses Wissen geht verloren“, erklärt Gabbert.

Suche nach Lösungen für die Zukunft
Bei dem Workshop wird es hauptsächlich darum gehen, anhand von Fallbeispielen aus Afrika, Asien und Lateinamerika über die unterschiedlichen Formen und Reaktionen auf die Geschäfte mit dem Land zu diskutieren. Dazu wurden über 30 internationale Wissenschaftler und Praktiker eingeladen. „Wir wollen zunächst einmal empirische Erkenntnisse darüber sammeln, welche Konflikte, welche Formen des Widerstands, welche Lösungen und Alternativen die einzelnen Fälle in unterschiedlichen Ländern hervorgebracht haben. Daraus können wir dann in einem zweiten Schritt bewährte Formen der Interessenvermittlung und des sozialen Ausgleichs identifizieren und Lösungen für die Zukunft entwickeln“, sagt Gabbert. Dabei lohnt es sich, jeden einzelnen Fall genau zu betrachten, denn die Lage ist nicht ganz so einfach, wie sie auf den ersten Blick aussieht: Zum einen gibt es internationale Investoren, die von Anfang an mit der lokalen Bevölkerung verhandeln und versuchen, deren Interessen zu berücksichtigen. Zum anderen führen manchmal auch gut gemeinte Initiativen wie beispielsweise die Umwandlung großer Flächen in Naturschutzgebiete zu Konflikten. Gabbert: „Ein Naturschutzgebiet kann unter Umständen auch nicht mehr so genutzt werden, dass es als Lebensgrundlage für die Menschen dient, die dort leben. Der Effekt ist dann derselbe wie bei der Ansiedlung industrieller Agrarwirtschaft: Die lokale Population wird verdrängt und muss das Gebiet verlassen.“

Erforschung des globalen sozialen Wandels
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie (Sozialanthropologie). Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Günther Schlee aufgenommen und 2001 seinen ständigen Sitz im Advokatenweg 36 bezogen. Mit Ernennung der Direktorin Prof. Dr. Marie-Claire Foblets im Jahre 2012 wurde das Institut um eine Abteilung zum Themenfeld ‚Recht & Ethnologie‘ erweitert. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Besonders auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung. Sie befassen sich darüber hinaus in ihren Projekten oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung arbeiten gegenwärtig 175 Wissenschaftler aus über 30 Nationen. Darüber hinaus bietet das Institut zahlreichen Gastwissenschaftlern Raum und Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.

Zum Programm der Tagung

Mehr Informationen zur Forschungsinitiative „Lands of the Future“

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Prof. Dr. Günther Schlee
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Abteilung ‘Integration und Konflikt’
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Mail: schlee@eth.mpg.de
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