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Stefan Schwendtner
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Das Alumni-Interview: 10 Fragen an Peter Finke

Das Alumni-Interview: 10 Fragen an Peter Finke

28. August 2018

Peter Finke: Alumnus des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung und Professor in Zürich Bild vergrößern
Peter Finke: Alumnus des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung und Professor in Zürich

1. Von wann bis wann waren Sie am MPI und was haben Sie hier gemacht?
Ich war von 2000–2006 in der Abteilung „Integration und Konflikt“ am MPI tätig, zunächst als Postdoc und dann als Forschungsgruppenleiter.

2. Wo sind Sie jetzt und was machen Sie dort?
Ich bin seit 2006 Professor für Ethnologie am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich.

3. Wie sehr hat Ihre Tätigkeit am MPI Ihre jetzige berufliche Situation geprägt?
Ohne meine Tätigkeit am MPI wäre ich vermutlich jetzt nicht Professor. Wer Forschungsgruppenleiter an einem MPI war, hat schon eine sehr gute Startposition für die weitere wissenschaftliche Karriere. Wobei die Lehrerfahrung, die ich als Gastprofessor an der University of New Hampshire und an der Middle East Technical University in Ankara gesammelt habe, für die Berufung auch eine große Rolle gespielt hat.

4. Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an die Zeit am MPI zurückdenken?
Die große Forschungsfreiheit, die spannenden Workshops und Konferenzen, die dichte Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt – all das hat eine einmalige Atmosphäre geschaffen. Dazu haben natürlich auch die exzellenten Serviceabteilungen beigetragen. So hilfreiche und kompetente Geschäftsführungen und Bibliothekarinnen sind Gold wert.

5. Haben Sie noch Kontakt zum MPI und wenn ja, welchen und zu wem?
Zusammen mit Günther Schlee betreue ich mehrere Doktorarbeiten. Unter anderem deshalb bin ich zwei bis drei Mal im Jahr am Institut. Und dann habe ich auch noch regelmäßig Kontakt zu Freunden und ehemaligen Kollegen meiner Generation, und natürlich den Mitgliedern der Zentralasiengruppe CASCA.

6. Woran forschen Sie im Augenblick?
Ich habe im Augenblick drei Projekte: Im ersten geht es um Nomaden in der Mongolei. Das ist eine Langzeitstudie, die ich seit meiner Dissertation verfolge und die demnächst als Buch erscheinen soll. Zweitens bin ich – gemeinsam mit vier Doktorandinnen in Halle und Zürich – an einem Projekt in Südost-Kasachstan, das sich mit den Auswirkungen des ökonomischen Booms dort beschäftigt. Dabei interessiert uns einerseits, wer von der gegenwärtigen Entwicklung profitiert und wer nicht, andererseits welche Prozesse sozialen und kulturellen Wandels dies auslöst. Im dritten Projekt geht es wiederum um Kasachen aus der Mongolei, die im Rahmen eines Repatriierungs-Programms nach Kasachstan umgesiedelt sind und dort oft unter schwierigen Bedingungen leben.

7. Was planen Sie in der Zukunft?
Mit dem zweiten Projekt zu Südost-Kasachstan werde ich mich sicher noch eine ganze Weile beschäftigen. Das ist auch als eine Art Langzeitstudie geplant.

8. Warum sind Sie Ethnologe geworden?
Ich habe zunächst Turkologie studiert. Aber bei der Beschäftigung mit Texten hat mir etwas gefehlt. Ich wollte nicht nur philologisch arbeiten, sondern mit Menschen reden. Und seit dem ich dann 1991 zum ersten Mal in der Mongolei war, wollte ich unbedingt Ethnologe werden. Die spezielle Begeisterung für Zentralasien begleitet mich aber schon seit meiner Kindheit.

9. Was würden Sie heutigen Studierenden der Ethnologie raten?
Ich würde ihnen raten, schneller und zielstrebiger zu studieren als ich das selbst getan habe. Auch ist es eine gute Idee, möglichst früh längere Zeit im Ausland zu verbringen. Wer eine akademische Karriere anstrebt, sollte Erfahrung im außereuropäischen Ausland vorweisen können. Zumindest wird im Augenblick in Auswahlverfahren noch mehr oder weniger großer Wert darauf gelegt.

10. Welcher Text – Buch oder Artikel – hat Sie in letzter Zeit beeindruckt?
Da gibt es natürlich eine Menge Texte. Aber wenn ich einmal Werbung in eigener Sache machen darf, so gehören dazu zweifellos einige der Dissertationen, die ich in den letzten Jahren betreut habe.
Wenn ich eines auswählen soll:
Stefan Leins: Stories of Capitalism. Inside the Role of Financial Analysts. University of Chicago Press
Oder auch:
Esther Horat: Trading in Uncertainty. Entrepreneurship, Morality and Trust in a Vietnamese Textile-Handling Village. Palgrave (früher am MPI)
Es gibt noch mehr, aber die sind als Buch erst im Erscheinen.

 
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