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Die Entwicklung Zentralasiens nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

Die Entwicklung Zentralasiens nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

1. Oktober 2018

Vom 11.-13. Oktober findet am MPI für ethnologische Forschung ein Workshop mit dem Titel „Ideas and Practices: exploring economic and social transformation in Central Asia“ statt. Dabei werden die Wissenschaftler Forschungsergebnisse zu den weitreichenden Transformationsprozessen präsentieren, die die zentralasiatischen Staaten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 erfasst haben. Der Workshop wird vom „Zentrum für ethnologische Studien zu Zentralasien“ (CASCA) einem Gemeinschaftsprojekt der Abteilung ‚Integration und Konflikt‘ am MPI und dem Institut für Sozialanthropologie und empirische Kulturwissenschaft (ISEK) der Universität Zürich organisiert. Die Tagungssprache ist Englisch

Studien zu den Lebensverhältnissen in Zentralasien
Zentralasien war im 20. Jahrhundert Schauplatz zweier immenser sozialer Umbrüche: dem Aufbau eines sozialistischen Systems und – nach 1991 – dem Umbau dieses Systems in eine Marktwirtschaft. Die Wissenschaftler vom „Zentrum für ethnologische Studien zu Zentralasien“ (CASCA) interessieren sich insbesondere für die umfassenden Transformationsprozesse nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Dabei fassen sie unter Zentralasien nicht nur die ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, sondern auch das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang und weitere angrenzende mongolische und tibetische Sprachregionen. „Darüber, welche Auswirkungen das Ende der Planwirtschaft und die daraus folgenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umbrüche für die Menschen in diesen Ländern auf der lokalen Ebene haben, wissen wir noch immer relativ wenig“, sagt Indira Alibayeva, Doktorandin am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung und eine der Organisatorinnen des Workshops. „Deshalb haben wir etwa 30 Wissenschaftler eingeladen, die in umfassenden Feldstudien empirische Daten zu den aktuellen Lebensverhältnissen in Zentralasien gesammelt haben.“

Neue Formen der Migration und ihre Folgen
Eine der Folgen der neuen politischen Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepubliken, mit denen sich die CASCA-Forscher und ihre Kollegen beschäftigen, sind die umfassenden Migrationsbewegungen in ganz Asien. Zum großen Teil handelt es sich dabei um Arbeitsmigration von ländlichen Gebieten in die Industriezentren und um Migration von Zentralasien in andere Länder wie Russland und die Türkei. „Eine starke Migrationswelle wurde aber beispielsweise auch durch ein Umsiedlungsprogramm des kasachischen Staates ausgelöst“, erklärt Indira Alibayeva. „Ethnische Kasachen, die teilweise schon seit vielen Generationen in anderen Ländern lebten, wurden durch ökonomische Anreize zur Umsiedlung in das Heimatland ihrer Vorfahren ermutigt.“ Diese Immigration aus Ländern wie China, Mongolei, Usbekistan, Iran, Afghanistan und der Türkei führt zu einer erheblichen Verschiebung der ökonomischen und sozialen Struktur Kasachstans. Alibayeva: „Der Integrationsprozess im Rahmen dieses Repatriierungs-Programms ist sehr komplex und vielschichtig. So sprechen Kasachen aus China häufig kein Russisch, die wichtigste Verkehrssprache in Kasachstan. Und Einwanderer aus Usbekistan drängen beispielsweise sehr stark in die Landwirtschaft und den Handel und machen der lokalen usbekischen Bevölkerung Konkurrenz.“ Um den vielfältigen sozialen Wandlungsprozess in Zentralasien zu erforschen, konzentrieren sich die Ethnologen vor allem auf lokale Lebenswelten und Prozesse. Dabei spielen die Vorstellungswelten der Menschen und die sich im Fluss befindlichen kulturellen Muster ein wesentliche Rolle. „Ethnologen nehmen direkt am Leben der Menschen teil. Auf dieser Grundlage entwickeln sie ein feines Gespür für wachsende Ungleichheit, neue Formen sozialer Kooperation, ethnische Identifizierung und Allianzen oder das Aufleben und die Umgestaltung religiöser Vorstellungen“, erklärt Alibayeva.

Erforschung des globalen sozialen Wandels
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie (Sozialanthropologie). Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Günther Schlee aufgenommen und 2001 seinen ständigen Sitz im Advokatenweg 36 bezogen. Mit Ernennung der Direktorin Prof. Dr. Marie-Claire Foblets im Jahre 2012 wurde das Institut um eine Abteilung zum Themenfeld ‚Recht & Ethnologie‘ erweitert. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Besonders auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung. Sie befassen sich darüber hinaus in ihren Projekten oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung arbeiten gegenwärtig 175 Wissenschaftler aus über 30 Nationen. Darüber hinaus bietet das Institut zahlreichen Gastwissenschaftlern Raum und Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.

Zum Programm der Tagung

Mehr Informationen zum „Zentrum für ethnologische Studien zu Zentralasien“ (CASCA)

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Prof. Dr. Günther Schlee
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Abteilung ‘Integration und Konflikt’
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Tel.: 0345 2927-101
Mail: schlee@eth.mpg.de
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Indira Alibayeva
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Abteilung ‘Integration und Konflikt’
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
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Stefan Schwendtner
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Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
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