Wie Umweltrechte zu einer besseren Zukunft beitragen können

1. Dezember 2025

Vom 4. bis 5. Dezember 2025 findet am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung eine Konferenz mit dem Titel „Environmental Rights in Multiple Contexts – Stocktaking and Moving Forward“ statt, die von der Max-Planck-Fellow-Gruppe „Umweltrechte im kulturellen Kontext“ unter der Leitung von Dirk Hanschel organisiert wird. Die Beiträge der Tagung befassen sich mit der Bedeutung von Umweltrechten für lokale Gemeinschaften, deren Alltag in unterschiedlicher Weise durch Umweltzerstörungen bedroht ist. Unterstützt wird die Konferenz auch von der Volkswagen-Stiftung.

Was Umweltrechte im konkreten Fall bewirken können
„Es gibt weltweit einen breiten Konsens darüber, dass Rechte im Verhältnis zwischen Mensch und Natur eine herausragende Bedeutung für die Zukunft unseres Planeten haben. Menschenrechte auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt, aber auch Rechte der Natur haben Eingang gefunden in Verfassungen, werden in Entscheidungen internationaler Gerichte und Tribunale beachtet, und sie spielen auch im Völkerrecht eine zunehmend wichtige Rolle“, sagt Dirk Hanschel, Leiter der Max-Planck-Fellow-Gruppe „Umweltrechte im kulturellen Kontext“ am MPI für ethnologische Forschung. Aber trotz dieser von allen Seiten anerkannten Bedeutung von Umweltrechten, die sich auch in juristischen Fachdiskussionen widerspiegelt, ist das Wissen über die Wirksamkeit, die Legitimität und die Anwendung in konkreten lokalen Fällen sehr begrenzt geblieben. Hanschel: „Mit dieser Forschungslücke haben wir uns in den vergangenen Jahren beschäftigt und mit einer Kombination aus rechtswissenschaftlichen und ethnologischen Methoden unter anderem in der Mongolei, in Äthiopien und in Ecuador Feldforschungen durchgeführt.“

Vielfalt in der Verankerung und Anwendung von Umweltrechten
Welche Wirkung abstrakte rechtliche Normen in lokalen Kontexten tatsächlich entfalten, kann nur unter Berücksichtigung der jeweiligen kulturellen Besonderheiten und der ökonomischen und sozialen Machtverhältnisse erforscht werden. Die Gruppe um Hanschel hat beispielsweise in der mongolischen Provinz Südgobi an der Grenze zu China untersucht, wie das Leben der Nomaden und Siedler von tiefgreifenden Veränderungen infolge des Kohlebergbaus betroffen ist und inwieweit sie zu ihrem Schutz auf das in der Verfassung verankerte Recht auf eine gesunde und sichere Umwelt zurückgreifen. Ebenso befasst sich die Gruppe mit den Auswirkungen des äthiopischen Gilgel Gibe III Staudamms am Fluss Omo auf die Gemeinschaft der Dassanech ganz im Süden des Landes in der Nähe zu Kenia. Auch hier stellt sich die Frage, inwieweit Umweltrechte eine Rolle spielen. In Ecuador wiederum sind Rechte der Natur in der Verfassung verankert. Hier haben die Forscherinnen und Forscher die Rolle der Justiz in der Gewährleistung dieser Rechte untersucht. So bewirkte eine Entscheidung des ecuadorianischen Verfassungsgerichts, dass der Nebelwald Los Cedros nicht zum Bergbaugebiet wurde, weil das Ökosystem eigene Rechte hat. 

Wie Umweltrechte das Leben beeinflussen 
Hanschel: „Wenn Menschenrechte eine Antwort auf fundamentale Unrechtserfahrungen sind, stellt sich die Frage, welche konkreten Erfahrungen die Menschen mit Blick auf die Umweltzerstörung tatsächlich machen und wie sie mit ihnen umgehen. Um das im Detail nachzuvollziehen, haben sich ethnologische Methoden als außerordentlich hilfreich erwiesen. Komplizierter wird es, wenn es um die Rechte der Natur geht, also um die Rechte von Flüssen, Wäldern oder ganzen Ökosystemen. Denn die Natur kann man schlecht fragen, und wenn man die Menschen fragt, ist das nicht dasselbe. Auch hier kann ethnographische Forschung aber wichtige Erkenntnisse über die Verknüpfung solcher Rechte mit bestimmten Lebensweisen, etwa in indigenen Gemeinschaften des Amazonasgebiets liefern.“

Praktische Umsetzung der Rechte und differenzierte Betrachtungsweise sind entscheidend 
Die Ergebnisse der Forschungsgruppe „Umweltrechte im kulturellen Kontext“ zeigen detailliert, wie sich Belastungen durch Umweltschäden auf lokaler Ebene äußern und inwieweit das Menschenrecht auf eine gesunde Umwelt oder auch Eigenrechte der Natur auf diese Erfahrungen von Ungerechtigkeit reagieren können. „Umweltrechte allein können die Welt nicht retten“, sagt Hanschel. „Selbst dann, wenn sie Verfassungsrang haben, ist eine wirksame Umsetzung in der Praxis nicht garantiert. Manchmal haben die Menschen zudem andere Vorstellungen darüber, was gerecht und ungerecht ist. Deswegen ist eine differenzierte Betrachtungsweise so wichtig, bei der die konkreten Lebensumstände und lokalen Sichtweisen eine größere Rolle spielen. Unsere Forschung soll dazu dienen, hierfür das Bewusstsein zu stärken.“

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