Team

Marie-Claire Foblets
Marie-Claire Foblets
Direktorin
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Wissenschaftlicher Leiter

Hatem Elliesie
Hatem Elliesie
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
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Projektmitarbeiter

Mahabat Sadyrbek
Mahabat Sadyrbek
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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Cengiz Barskanmaz
Cengiz Barskanmaz
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
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Mahmoud Jaraba
Mahmoud Jaraba
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
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Assoziierte

Latif Tas
Latif Tas
Assoziierter
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Koordination

Mandana Knust Rassekh Afshar
Mandana Knust Rassekh Afshar
Koordinatorin

Max Planck Institute for Foreign and International Criminal Law

Kontakt

Konfliktregulierung in Deutschlands pluraler Gesellschaft

Abteilung ‚Recht & Ethnologie‘
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Advokatenweg 36
D-06114 Halle, Germany

Konfliktregulierung in Deutschlands pluraler Gesellschaft

Konfliktregulierung in Deutschlands pluraler Gesellschaft

Zum Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt innerhalb der Abteilung „Recht und Ethnologie“ hat zum Ziel, soziorechtliche Prozesse innerhalb der komplexen und pluralen Gesellschaft sowohl von der juristischen als auch von der ethnologischen Perspektive aus zu untersuchen. Ein Schwerpunkt des Projektes liegt auf der Analyse von Konfliktregulierungen in verschiedenen (u.a. ethnisch, kulturell und religiös) definierten Gemeinschaften in Deutschland. Damit will das Forschungsvorhaben, welches die postulierte Existenz konfliktträchtiger nicht-staatlicher Gerichtsbarkeiten innerhalb der im Blickfeld stehenden Fokusgruppen in Frage stellt und mittels empirischer Befunde untersuchen will, die Debatte um die sogenannte Paralleljustiz aufgreifen.

Das Forschungsprojekt folgt hauptsächlich den Theorien und Methoden der normativen Pluralität, die erkennt, dass in jedem sog. sozialen Feld zur selben Zeit unterschiedliche Ordnungsverhältnisse, Regelungskomplexe und Rechtsquellen sowie mehrere juristische Systeme nebeneinander existieren. Normative Pluralität begegnet uns in diversen Kontexten und auf unterschiedlichen Ebenen, wenn die aus verschiedenen Normen herrührenden Befehle einen Sachverhalt in unterschiedlicher Weise regeln und einen Regelungsadressaten in verschiedene Richtungen leiten. Mit diesem analytischen Werkzeug verpflichtet sich das Projekt zum einen dem sozialen und ethnologischen Ansatz des Normativen und zum anderen dem regel- und präzedenzbasierten Ansatz der Rechtswissenschaften. Aufgrund der Fokussierung unterschiedlicher Gemeinschaften wird dem Forschungsprojekt ferner das von Sally F. Moore entwickelte Konzept der semi-autonomen sozialen Felder zugrunde gelegt. Danach gibt es zwischen Staat und Individuum eine Vielzahl von interagierenden sozialen Feldern und Normproduzenten mit jeweils eigenen Rechtsordnungen, Rechtsgewohnheiten und Rechtsvorstellungen. Innerhalb dieser werden Bräuche, Regeln und Symbole generiert, die aber durch die größere soziale Matrix von außen beeinflusst und durchdrungen werden. Mittels dieses Ansatzes sollen im Rahmen der individuellen Forschungsvorhaben konkrete Handlungsweisen und Wirkmechanismen von ausgewählten Gesellschaftsbereichen untersucht und Differenzen sowie Gemeinsamkeiten mehrerer kulturell-ethnischer Rechtssphären ausgearbeitet werden. Die Auseinandersetzung mit der Koexistenz von verschiedenen Ordnungsverhältnissen und Rechtsnormen sowie juristischen Prozesse wird mithin durch eine Umfrage auf Grundlage gemeinsamer Fragestellungen um neue vergleichenden Perspektiven erweitert. Darüber hinaus sollen Beiträge zur Polymorphie des Rechtes erarbeitet und im Lichte normativer Legitimationsmuster mit den gegenwärtigen gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland in Beziehung gesetzt, verortet und bewertet werden.

Individuelle Projekte

Rechtsstrukturen und Konfliktregulierungsmechanismen innerhalb der russischsprachigen Bevölkerungsgruppen
Mahabat Sadyrbeks Forschungsvorhaben zielt auf eine umfangreiche empirische Studie über die Rechtsstrukturen und Konfliktregulierungsmechanismen innerhalb der russischsprachigen Gemeinschaften in Deutschland. Ihr besonderes Interesse gilt dabei den Minderheitengruppen aus der kaukasischen Region. Sie beschäftigt sich mit den Fragen, welche Konstellation der Rechtsverhältnisse die Menschen aus den Ursprungsländern mitgebracht haben, von welchen Quellen diese Rechtsstrukturen geprägt sind und wie diese sich im deutschen bzw. europäischen Rechtskontext positionieren.

Konfliktregulierungsmodalitäten und Rechtsbewusstsein in den jesidischen Gemeinschaften
In seinem Projekt geht Cengiz Barskanmaz der Frage nach, welches Rechtsbewusstsein und welche Rechtsvorstellungen den Konfliktregulierungsmodalitäten bei den Angehörigen der jesidischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland zugrunde liegen. Das Rechtsbewusstsein und die Rechtsvorstellungen beziehen sich hauptsächlich auf den Gerechtigkeitssinn, die rechtlichen und normativen Werte, die religiös-ethischen Grundsätze und die Modelle der Interpretation der Gesetze, die für den sozialen Zusammenhalt und die Gruppenbildungsprozesse konstitutiv sind.

Legalitäts- und Legitimationsmuster kulturell geprägter Streitbeilegung unter Angehörigen der Mḥallamīya
Mahmoud Jaraba erforscht in seinem Projekt die Arten alternativer Konfliktregelungsmechanismen unter Angehörigen der Mḥallamīya in Deutschland. Er analysiert die wichtigsten Akteure und Mechanismen sowie die sozioökonomischen Schichten, welche mit Geschichte, Wertekanon, Leitprinzipien, Symbolen, Ritualen, traditionellen Volksweisheiten, Legenden und Mentalitäten verflochten sind. Diese Diversifizierung der Legitimationsmuster soll es ihm ermöglichen, diese Konfliktbeilegungs- und Konfliktschlichtungsformen mit dem offiziellen bzw. staatlich gesetzten Recht in Beziehung zu setzen.

Transnationalismus und inoffizielles Recht im kurdischen Kontext
Latif Tas konzentriert sich auf die vielfältigen Rechtspraktiken, die auf unterschiedlichen normativen Wahrnehmungen in den kurdischen Gemeinden in Berlin und Diyarbakir (Türkei) basieren. Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf familiären und transnationalen Fällen, mittels derer untersucht werden soll, in welcher Form geschlechtsspezifische Normen und Beziehungen von der Anwendung nichtstaatlicher Justizprozesse betroffen sind und welche praktischen Konsequenzen nichtstaatliche Rechtsordnungen für die Rechte der Frau und die Geschlechterverhältnisse haben.

Normative Ordnungen innerhalb der afghanischen Gemeinschaften
Das Forschungsprojekt von Afrooz Maghzi konzentriert sich auf die divergierenden normativen Ordnungen innerhalb von Gemeinschaften afghanischer Herkunft. Das Projekt geht der Frage nach, wie der deutsche Staat angemessen auf das Aufeinandertreffen von normativen Praktiken der afghanischen Gemeinschaften und staatlichem Recht reagieren kann. Dafür soll mittels einer vergleichenden Untersuchung aufgezeigt werden, wie unterschiedlich auch in Kanada und Großbritannien auf die besonderen Bedürfnisse der Minderheiten eingehen und dadurch den Aufbau einer konstruktiven Beziehung zu den staatlichen Institutionen vonseiten der afghanischen Gemeinschaften fördern können.

 

 
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