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Agathe Menetrier (links) und Jacqueline Knörr (rechts) haben den Workshop „Those Who Stay: how out-migration affects West African societies“ organisiert.

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Abwanderung und ihre Folgen für Westafrika

Abwanderung und ihre Folgen für Westafrika

Workshop über soziale und wirtschaftliche Auswirkungen von Migration für die Herkunftsstaaten

3. April 2018

Am 12. und 13. April findet am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ein Workshop mit dem Titel „Those Who Stay: how out-migration affects West African societies“ statt. Die Veranstaltung wird von der Forschungsgruppe “Integration and Conflict along the Upper Guinea Coast” um Prof. Dr. Jacqueline Knörr organisiert. Bei dem Workshop wird es hauptsächlich um die bislang wenig untersuchte Frage gehen, welche Konsequenzen die jahrelange Abwanderung für die Menschen in Westafrika hat. Die Tagungssprache ist Englisch.

Migration: wenig Forschung über Herkunftsländer
Der öffentliche Diskurs über das internationale Migrationsgeschehen  wird im Wesentlichen von den Sorgen um dessen negative Auswirkungen für Europa bestimmt. In der Folge haben sich umfangreiche Forschungsaktivitäten entwickelt, die sich etwa mit dem aktuellen Stand und den voraussichtlichen Chancen der Integration oder mit den Auswirkungen der Migration auf den Wohlfahrtsstaat, das Parteiensystem und die Zivilgesellschaft befassen. „Worüber wir aber vergleichsweise wenig wissen, ist, welche sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen und demografischen Folgen die massive Abwanderung aus dem sogenannten Globalen Süden für die Herkunftsländer hat“, sagt Prof. Dr. Jacqueline Knörr, Leiterin der Forschungsgruppe „Integration and Conflict along the Upper Guinea Coast“ am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung. „Deshalb haben wir jetzt 22 Westafrika-Spezialisten eingeladen, um über die diesbezügliche  Forschung in Ländern wie Ghana, Sierra Leone und Liberia zu diskutieren.“

Abwanderung von Fachkräften bringt auch Know-how zurück
Lange Zeit ging man davon aus, dass die Abwanderung für Afrika in erster Linie negative Folgen hat. Denn es sind häufig junge Erwachsene, die sich auf den Weg nach Europa und Nordamerika, aber auch in andere Länder Afrikas machen. Diese fehlen dann im Land. „Diese Beobachtung ist auch nach wie vor richtig“, sagt Knörr. „Aber ethnologische Feldforschung in westafrikanischen Ländern hat auch gezeigt, dass die Situation recht komplex ist: Es gibt nicht nur einen Brain Drain. Im Gegenteil, wir wissen inzwischen, dass Emigranten ihren Familien und dem Land häufig wieder etwas zurückgeben. Und zwar nicht nur Geld, sondern auch berufliches oder politisches Know-how.“ Tatsächlich ist die Vorstellung falsch, dass zwischen den Menschen, die abwandern und denjenigen, die bleiben, Beziehungen abbrechen. So konnte beispielsweise eine Studie über Ärzte und medizinische Fachkräfte, die aus Ghana abgewandert sind, zeigen, dass viele dieser Fachkräfte immer wieder für gewisse Zeit nach Ghana zurückkehren, um vor Ort bei der medizinischen Versorgung zu helfen.

Kaum beachtet: Migration innerhalb Afrikas
Falsch ist übrigens auch die Annahme, dass die meisten afrikanischen Migranten den Kontinent verlassen. Knörr: „Die Binnenmigration innerhalb Afrikas übersteigt die Abwanderung nach Europa und Nordamerika bei weitem. Denn nicht jeder Flüchtling oder Migrant hat die nötigen Ressourcen, um den sogenannten Globalen Norden zu erreichen.“ Dennoch bleibt eines richtig: Die meisten afrikanischen Länder sind ganz erheblich durch Abwanderung geprägt. „Nahezu jede Familie hat in ihrem Kreis jemanden, der gegangen ist oder der gehen will“, sagt Knörr. Dass diese immense Mobilität massive Auswirkungen auf alle Lebensbereiche hat, ist unbestritten. Aber es ist eben auch nicht so, dass die Auswirkungen nur negativ sind. „Bei unserem Workshop wollen wir uns zunächst einmal auf die empirischen Fakten konzentrieren und die sozialen, kulturellen und materiellen Austauschbeziehungen, die durch die Abwanderung entstehen, im Detail analysieren“, sagt Jacqueline Knörr.

Erforschung des globalen sozialen Wandels
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie (Sozialanthropologie). Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Günther Schlee aufgenommen und 2001 seinen ständigen Sitz im Advokatenweg 36 bezogen. Mit Ernennung der Direktorin Prof. Dr. Marie-Claire Foblets im Jahre 2012 wurde das Institut um eine Abteilung zum Themenfeld ‚Recht & Ethnologie‘ erweitert. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Besonders auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung. Sie befassen sich darüber hinaus in ihren Projekten oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung arbeiten gegenwärtig 175 Wissenschaftler aus über 30 Nationen. Darüber hinaus bietet das Institut zahlreichen Gastwissenschaftlern Raum und Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.

Zum Programm des Workshops

Mehr Informationen zur Forschungsgruppe „Integration and Conflict along the Upper Guinea Coast (West Africa)“

Kontakt für diese Pressemitteilung
Prof. Dr. Jacqueline Knörr
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Abteilung ‘Integration und Konflikt’
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
Tel.: 0345 2927-128
Mail: knoerr@eth.mpg.de
http://www.eth.mpg.de/knoerr

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Stefan Schwendtner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
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