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Die Macht des Geldes: Transformation der Natur im Interesse des Kapitals

Die Macht des Geldes: Transformation der Natur im Interesse des Kapitals

30. Januar 2019

Am 7. Februar 2019 findet am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (MPI) ein Workshop mit dem Titel „Financialization and the Production of Nature: new frameworks for understanding the capital-society-nature nexus“ statt. Die Teilnehmer des Workshops werden sich damit beschäftigen, welchen Einfluss gewinnorientierte Investitionen auf die globale Transformation der Natur haben. Diesem Thema nähern sich die Wissenschaftler mit ethnologischen Fallstudien zu großen Energie- und Infrastrukturprojekten in Deutschland, Italien, Spanien, Griechenland und China. Die Tagungssprache ist Englisch.

Kapitalozän und das Zeitalter der Finanzwirtschaft
Menschen haben ihre Umwelt schon immer gezielt verändert und sie an ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst. Neu sind allerdings Geschwindigkeit und Ausmaß, in der die Umwelt gegenwärtig den Interessen der Menschen unterworfen wird. Und neu ist auch, dass inzwischen nahezu alle natürlichen Ressourcen Gegenstand von Gewinninteressen der globalen Finanzwirtschaft geworden sind. An dieser weltweiten Entwicklung sind jedoch nicht alle Menschen in gleicher Weise beteiligt. Verantwortlich dafür sind in erster Linie mächtige Akteure im kapitalistischen Wirtschafts- und Finanzsystem. Für diese weltverändernde Dimension wirtschaftlichen Handelns hat der amerikanische Soziologe Jason W. Moore den Begriff „Kapitalozän“ populär gemacht und damit eine breite Diskussion ausgelöst, die weit über die Grenzen der Wissenschaft hinausgeht.

Ethnologische Fallstudien zur Transformation von Natur und Gesellschaft
„Unser Workshop schließt an diese Diskussion um die Auswirkungen der kapitalistischen Wirtschaft auf die Natur an“, sagt Dr. Natalia Buier, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe „Financialisation“ am MPI. „Vor dem Hintergrund der eher theoretischen Kapitalozän-Debatte um Begriffe und Kategorien wollen wir aber anhand von ethnologischen Fallstudien zu großen Infrastruktur- und Energieprojekten zeigen, welche konkreten Auswirkungen die Interessen der Finanzwirtschaft auf die Umwelt und den Alltag der Menschen haben.“ Am Beispiel des Hochgeschwindigkeitsnetzes der spanischen Bahn beschäftigt sich Buier in ihrem Forschungsprojekt damit, wie die immensen Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur den Wert und die Bedeutung von geografischen und sozialen Räumen beeinflussen.

Atomkraftwerk Greifswald – die Fiktion von der grünen Wiese
Die Macht und den weit in die Zukunft reichenden Einfluss der Energieindustrie zeigt Sergiu Novac von der Central European University anhand des stillgelegten Atomkraftwerks in Greifswald. Zum einen lässt sich an diesem Beispiel verdeutlichen, wie durch die atomare Energiewirtschaft Landschaften, materielle Güter und Menschen entwertet werden, wie aber gleichzeitig durch den Abriss des Kraftwerks völlig neue, höchst profitable Geschäftsfelder entstehen. Zum zweiten zeigt Novac detailliert die generationenübergreifenden Folgen, die die Entsorgung des atomaren Abfalls mit sich bringt: „Die Rede von der ‚grünen Wiese‘, die am Ende des Abrisses wiederentstehen soll, ist eine wirkmächtige und gefährliche Fiktion“, sagt Novac. In weiteren Fallstudien präsentieren die Teilnehmer des Workshops ihre Forschungsergebnisse zu den Umweltproblemen und den damit zusammenhängenden sozialen Folgen in der italienischen Industrieregion um Brindisi, den Wandel des Energiesektors in Griechenland und dessen Übergang in die Hände privater Investoren, die Ursachen für den spanischen Bauboom und seinen raschen Niedergang und die zahlreichen Initiativen des chinesischen Staates zur Umstellung des Energieverbrauchs auf kohlenstoffarmen Konsum.

Erforschung des globalen sozialen Wandels
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie (Sozialanthropologie). Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Günther Schlee aufgenommen und 2001 seinen ständigen Sitz im Advokatenweg 36 bezogen. Mit Ernennung der Direktorin Prof. Dr. Marie-Claire Foblets im Jahre 2012 wurde das Institut um eine Abteilung zum Themenfeld ‚Recht & Ethnologie‘ erweitert. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Besonders auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung. Sie befassen sich darüber hinaus in ihren Projekten oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung arbeiten gegenwärtig 175 Wissenschaftler aus über 30 Nationen. Darüber hinaus bietet das Institut zahlreichen Gastwissenschaftlern Raum und Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.


Zum Programm des Workshops

Mehr Informationen zur Forschungsgruppe „Financialisation“

Kontakt für diese Pressemitteilung
Dr. Natalia Buier
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Abteilung ‘Resilienz und Transformation in Eurasien’
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
Tel.: 0345 2927-270
Mail: buier@eth.mpg.de
http://www.eth.mpg.de/buier

Prof. Dr. Chris Hann
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Abteilung ‘Resilienz und Transformation in Eurasien’
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
Tel.: 0345 2927-200
Mail: hann@eth.mpg.de
http://www.eth.mpg.de/hann

Kontakt für die Presse
Stefan Schwendtner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Advokatenweg 36, 06114 Halle (Saale)
Tel.: 0345 2927-425
Mail: schwendtner@eth.mpg.de
http://www.eth.mpg.de

 
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