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Forschungsinteressen
Rechtsanthropologie; Recht und Religion; religiöse Vielfalt in einem säkularen Kontext; Privatrecht; israelisches Recht
Forschungsgebiet(e)
Europa; Israel
Profile
Igal Lavi ist Doktorand der Rechtswissenschaft und Ethnologie am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung. Er ist Mitglied in der Forschungsgruppe ‚Transformations in Private Law: Culture, Climate, and Technology‘ unter der Leitung von Prof. Dr. Mareike Schmidt.
Lavi forscht interdisziplinär an der Schnittstelle von Recht, Religion und Kultur. Sein Ansatz kombiniert die rechtliche Analyse von Präzedenzfällen mit Instrumenten aus der Ethnologie und Soziologie der Religion. Er arbeitet innerhalb eines vergleichenden Rahmens, der sich auf den israelischen Kontext konzentriert, aber auch andere rechtliche und kulturelle Umfelder einbezieht. Insbesondere untersucht er den Diskurs über religiöse Aufrichtigkeit und die institutionelle Bewertung von Glauben. Dabei konzentriert er sich vor allen darauf, wie Rechtssysteme mit Fragen von Authentizität, Überzeugungen und religiösen Erfahrungen in Gerichtsverfahren umgehen. In seiner Arbeit untersucht er zudem Unterschiede zwischen religiösen Ansprüchen, die im Privatrecht (z.B. Vertrags- und Deliktsrecht) geltend gemacht werden und solchen, die im öffentlichen Recht (z.B. Verwaltungs- und Verfassungsrecht) auftreten. Dabei diskutiert er Rechtfertigungsgründe für diese Unterscheidung, soweit es solche gibt.
Lavi erwarb einen LL.B. an der Bar-Ilan-Universität und einen LL.M. des gemeinsamen Programms des Emil-Zola-Lehrstuhls für Menschenrechte und des Van-Leer-Instituts in Jerusalem. Zudem hat er einen B.A. in Pädagogik und war bereits als Lehrer tätig. Seit seiner Zulassung als Rechtsanwalt in Israel im Jahr 2019 war er als Wirtschaftsrechtsanwalt, als parlamentarischer Berater für legislative Angelegenheiten des Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses der Knesset und als Rechtsreferendar am Bezirksgericht Tel Aviv tätig.
Warum Recht und Ethnologie?
Die Kombination von Recht und Ethnologie ermöglicht zu untersuchen, wie juristische Institutionen mit den realen Komplexitäten von Identität, Ritualen und Glauben umgehen – Aspekte, die sich oft formalen rechtlichen Kategorien entziehen. Die Gegenüberstellung von rechtlicher Analyse und ethnografischen Erkenntnissen bietet ein breiteres Spektrum an Instrumenten, um zu verstehen, wie religiöse Erfahrungen im rechtlichen Bereich aufgezeigt, interpretiert und bewertet werden.
Diese interdisziplinäre Perspektive zeigt sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen des Rechts bei der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensweisen in pluralistischen Gesellschaften auf. Sie bringt juristische Argumentation und anthropologische Beobachtung in einen Dialog und bietet zwei sich ergänzende Blickwinkel. Dadurch wird die Begegnung zwischen normativen Rahmenwerken und den persönlichen sowie gemeinschaftlichen Bedeutungswelten, die sie zu regulieren suchen, verständlich.