Brainscapes

Erwartete Ergebnisse

Eine Teilnehmerin der Studie (2. Phase, Verhaltensuntersuchung) am Ende der geführten Route. Sie bestimmt die Lage der Punkte 1 bis 5 und zeigt in die jeweilige Richtung.

Das Brainscapes-Projekt ist in Zusammenarbeit des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung (in Halle) mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (in Leipzig) und dem Monash Biomedical Imaging Laboratory (Monash University, Melbourne, Australien) entwickelt worden; es wird von Forschern an diesen drei Instituten gemeinsam durchgeführt.

Dieses Projekt leistet einen bedeutsamen Beitrag zu den Forschungsprogrammen der drei Institute und eröffnet neue Wege in der Forschung, vor allem in Bezug auf das Verhältnis von Gehirnfunktion und kulturell geprägten Erfahrungen. Dies ist eine wichtige Stufe in der Erforschung der Bedingungen des menschlichen Lebens: zu verstehen, auf welche Weise Kultur und Gesellschaft das menschliche Gehirn prägen, welche Auswirkungen sich daraus für die Funktionsweise des menschlichen Verstandes ergeben, und wie der Verstand, welcher das Produkt dieser Prozesse ist, wiederum Kultur und Gesellschaft prägt und verändert. Obwohl diese Forschungsrichtung noch in den Kinderschuhen steckt, liegen bereits schlüssige Beweise vor, dass Kultur eine entscheidenden Einfluss auf die Funktion und Struktur des Gehirns hat. Das hier dargestellte Projekt ist der erste Versuch eines Teams von Ethnologen, Kognitions- und Neurowissenschaftlern, sich eingehender mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Weiterhin kann das Brainscapes-Projekt wichtige Impulse für die weitere Entwicklung klinischer Interventionen geben, die darauf abzielen, Störungen in der Orientierungsfähigkeit zu behandeln, welche in Folge der Schädigung des Hippocampus oder des Nucleus caudatus auftreten. So wurde beispielsweise die Vermutung geäußert, dass Patienten, deren bevorzugte Navigationsstrategie (auf Grund einer Verletzung der entsprechenden Hirnstruktur) geschädigt ist, von einer Intervention, die den Einsatz der intakten Navigationsstrategie anregt, profitieren können. Desweiteren darf vermutet werden, dass das Trainieren und der Einsatz von Orientierungsstrategien helfen kann, der Degeneration des Hippocampus vorzubeugen. (Die Degeneration des Hippocampus kann sich entweder durch gewöhnliche Alterungsprozesse oder in pathologischer Form, durch die Alzheimer-Krankheit oder Chorea Huntigton, vollziehen). Wenn die Bevorzugung eines Orientierungsstils – wie wir annehmen – durch die Beschaffenheit der Umwelt beeinflusst wird, könnten klinische Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen zu Orientierungsstörungen dahingehend verbessert werden, dass Patienten mit (realen oder virtuellen) Landschaften konfrontiert werden, welche speziell die Merkmale aufweisen, die am geeignetsten sind, um die erwünschte Strategie auszulösen. Ferner könnten diese Erkenntnisse auch im weiteren Sinne für professionelle Trainings in den Berufsbereichen angewendet werden, die mit Orientierungsaufgaben in verschiedenen Umgebungen umzugehen haben.

Screenshot des 'virtual environment', entworfen für das fMRT scanning (dritte Phase) im Rahmen der BRAINSCAPES Pilotstudie. Programmierung: D. Kostylev, 2012
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